Vergünstigungen für energieeffiziente Unternehmen

Mit der aktuellen Gesetzgebung koppelt der Gesetzgeber gleich mehrere finanzielle Entlastungen für Unternehmen des produzierenden Gewerbes an den Nachweis eines sorgsamen und effizienten Umganges mit der eingesetzten Energie. Hierbei ist zwischen steuerlichen Anreizen und Vergünstigungen bei den Umlagen zu unterscheiden.

Energiesteuern

Ab 2024 soll die Stromsteuer auf den EU-weiten Mindestsatz von 0,05 ct/kWh für alle Unternehmen des produzierenden Gewerbes abgesenkt werden.

Der Spitzenausgleich auf die Stromsteuer wird dann entfallen und kann im Jahr 2024 letztmalig für das Jahr 2023 beantragt werden. Im Gegenzug erwartet das Finanzministerium dann eine Eigenerklärung, „wirtschaftlich vorteilhafte“ Maßnahmen umsetzen zu wollen. Hierbei ist jedoch bisher weder geklärt, wie diese Maßnahmen definiert sind, noch ob und wie die Eigenerklärung geprüft werden soll. Die zukünftige Gestaltung der Steuern auf Brenn- und Kraftstoffe ist zudem noch vollkommen unbekannt.

Umlagen auf Strom

Bei den Umlagen auf Strom zeigt sich ein deutlich konkreteres Bild. Die besondere Ausgleichsregelung (BesAR) ist durch das Wirtschaftsministerium im Energiefinanzierungsgesetz (EnFG) seit Anfang 2023 neu geregelt worden. Antragsberechtigt sind jedoch nur Unternehmen, deren Branchen in der sogenannten KUEBLL-Liste der EU aufgeführt sind.

Nach dem EnFG ist die Entlastung bei der KWKG- und Offshore-Netzumlage unter anderem an ein zertifiziertes Energiemanagementsystem gekoppelt. Zusätzlich ist die Energieeffizienz des Unternehmens nachzuweisen. Dazu ist in einer Übergangsregelung bis 2026 eine ex-ante Eigenerklärung abzugeben, die eine Eigenverpflichtung enthält, 50 % des erhaltenen Begrenzungsbetrages in Energieeffizienzmaßnahmen zu reinvestieren.

Ab 2026 kann neben dem Energiemanagementsystem zwischen mehreren Varianten der zu erbringenden Gegenleistungen gewählt werden. Im Wesentlichen ist dann entweder ein Teil der erhaltenen Gelder zu reinvestieren oder die im Energiemanagement als „wirtschaftlich durchführbar“ identifizierten Maßnahmen sind umzusetzen. Für die jeweils gewählte Variante ist eine Eigenerklärung abzugeben. Diese Eigenerklärung muss zudem durch eine Zertifizierungsgesellschaft bestätigt werden.

Zur Bestimmung der wirtschaftlichen Durchführbarkeit einer Maßnahme ist dabei die DIN EN 17463 (ValERI) anzuwenden. Hierbei handelt es sich um eine Kapitalwertmethode, mit der Nutzen und Aufwand über die gesamte Nutzungsdauer der Maßnahme zu bewerten sind. Nach dem EnFG ist eine Maßnahme als wirtschaftlich durchführbar definiert, wenn nach 60 % der Nutzungsdauer ein positiver Kapitalwert erreicht wird. Dieser Grenzwert wird ab 2026 sogar auf 90 % der Nutzungsdauer ansteigen.

KUEBLL-Liste der beihilfefähigen Wirtschaftszweige >


Umlagen auf Brennstoffe

Die Carbon-Leakage-Verordnung (BECV) setzt für Unternehmen mit mehr als 10 GWh Gesamtjahresenergieverbrauch ebenfalls ein Energiemanagement nach ISO 50001 (oder EMAS) zur teilweisen Entlastung der CO2-Abgaben voraus.

Ab dem Abrechnungsjahr 2023 müssen darüber hinaus Investitionen für Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz getätigt werden. Hierzu sind die im EnMS identifizierten Maßnahmen mittels ValERI über die gesamte Nutzungsdauer zu bewerten. Als wirtschaftlich durchführbar gilt danach eine Maßnahme, wenn in den Abrechnungsjahren 2023 bis 2025 nach 60 % der Nutzungszeit (max. 9 Jahre) ein positiver Kapitalwert ermittelt wird. Ab dem Abrechnungsjahr 2026 sind 90 % der vorgesehenen Nutzungszeit anzusetzen.

Insgesamt sollen 50 % des Entlastungsbetrages für die Jahre 2023 und 2024 in Klimaschutzmaßnahmen reinvestiert werden, ab 2025 sind es min. 80 %. Alternativ kann in Dekarbonisierungsmaßnahmen investiert werden.

Unsere Unterstützung für Sie

Wir bieten Ihnen in allen diesen Bereichen kompetente Unterstützung zur Prüfung Ihrer Möglichkeiten und Pflichten betreffend Ihres Energieeinsatzes. Unsere langjährige Erfahrung im Umgang mit dem betrieblichen Energiemanagement in Industrie und Gewerbe bedeutet für Sie einen deutlichen Mehrwert, indem die vorhandenen Ansätze in Ihrem Unternehmen verordnungskonform aufgegriffen und in einem effektiven und nachhaltigen Energiemanagement ausgestaltet werden.

Wir stehen in enger Absprache mit mehreren Konformitätsbewertungsstellen und koordinieren gerne auch die jeweils erforderlichen Testierungen für Sie. Seit 2022 haben wir zudem eine Vielzahl von Unternehmen bei der Prüfung der Erfüllung der Voraussetzungen und der Antragsstellung bei der Deutschen Emissionshandelsstelle begleitet. Gerne können wir auch Sie bei Ihrer Antragsstellung unterstützen. Bitte sprechen Sie uns hierfür frühzeitig an, da die Einrichtung der technischen Voraussetzungen zur Antragsstellung seitens der Deutschen Emissionshandelsstelle bis zu drei Monate in Anspruch nehmen kann.

Lesen Sie im Weiteren nähere Erläuterungen zu den angesprochenen Vergünstigungen:

Besondere Ausgleichsregelung BesAR

Auf Antrag kann das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine besondere Ausgleichsregelung für Unternehmen des produzierenden Gewerbes anwenden. Diese Entlastung wird für das nachfolgende Kalenderjahr gewährt, wenn die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt sind und ein vollständiger Antrag bis zum 30. Juni eingereicht wird.

Voraussetzungen für die Entlastung:

  • Jahresstromverbrauch > 1 GWh
  • Nachweis eines zertifizierten Energie- bzw. Umwelt-Managementsystems nach DIN EN ISO 50001 oder EMAS ab einem Stromverbrauch > 5 GWh
  • Nachweis eines Energiemanagementsystems nach ISO 50005, Stufe 3 oder Mitgliedschaft in einem bei der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke angemeldeten Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerk bei einem Stromverbrauch < 5 GWh
  • Nachweis der Energieeffizienz nach § 30 Nr. 3 Buchstabe a des EnFG
  • Der bisher erforderliche Nachweis, dass die Stromkosten einen bestimmten Anteil der Bruttowertschöpfung verursachen, entfällt ersatzlos.


Zusätzlich zu erbringende Gegenleistungen ergeben sich aus der Forderung nach der Energieeffizienz.

Ein Unternehmen gilt als energieeffizient, wenn es eines der nachfolgenden Kriterien erfüllt:

  • Alle im EnMS identifizierten wirtschaftlich durchführbaren Maßnahmen (gemäß ValERI) sind umgesetzt.
  • Es konnten keine wirtschaftlich durchführbaren Maßnahmen identifiziert werden.
  • 50 % des erhaltenen Begrenzungsbetrages wurden in Energieeffizienzmaßnahmen reinvestiert.
  • Min. 30 % des Stromverbrauchs werden durch ungeförderten Strom aus Erneuerbaren Energien gedeckt.
  • 50 % des erhaltenen Begrenzungsbetrages wurden für Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Produktionsprozesses reinvestiert.


Für die jeweils gewählte Variante ist eine Eigenerklärung abzugeben. Diese Eigenerklärung muss zudem durch eine Zertifizierungsgesellschaft bestätigt werden.

Da für einen Antrag zum 30.06.2024 die Höhe des Begrenzungsbetrages nicht bekannt ist, reicht bei diesem Antrag eine sogenannte ex-ante Erklärung, in der die Absicht, 50 % des Begrenzungsbetrages zu reinvestieren, erklärt wird.

In den Nachfolgejahren ergibt sich dann folgende Vorgehensweise:

  • Antragstellung beim BAFA (online) bis zum 30.06.2024 u. a. inkl. einer Prognose der im Jahr 2025 verbrauchten Strommenge und der Verpflichtungserklärung „Wir werden 50 % reinvestieren“ (ex-ante-Erklärung)
  • Bei bewilligtem Antrag bis Ende 2024: Bezug von Strom im Jahr 2025 mit reduzierter Umlage
  • Reinvestition von 50 % des Begrenzungsbetrages aus 2025 im Jahr 2026
  • Eigenerklärung über Reinvestition im Jahr 2027
  • Prüfung der Eigenerklärung durch Zertifizierer im Jahr 2027, dass im Jahr 2026 reinvestiert wurde.
  • Meldung der geprüften Eigenerklärung an das BAFA (ex-post-Erklärung).
  • Antrag im Jahr 2028 nur möglich, wenn ex-post-Erklärung vorliegt.


Informationen zum BAFA und zur besonderen Ausgleichsregelung >


Entlastung der CO2-Steuer durch die Carbon-Leakage-Verordnung

Unternehmen, die (teilweise) in Wirtschaftszweigen tätig sind, die besonders stark von der CO2-Bepreisung betroffenen sind und bei denen die Gefahr der Verlagerung in Länder außerhalb der Europäischen Union besteht, können eine Entlastung der CO2-Abgabe bei der Deutschen Emissionshandelsstelle bis zum 30. Juni für das Vorjahr beantragen.

Die mögliche Entlastungshöhe ist dabei vom jeweiligen Wirtschaftszweig abhängig und beträgt zwischen 65 und 95 % der maßgeblichen Emissionsmenge. Mit der Zunahme der CO2-Bepreisung in den nächsten Jahren wird eine entsprechende Entlastung zunehmend attraktiver.

Um eine Entlastung nach der BECV in Anspruch zu nehmen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Zugehörigkeit zu einem beihilfeberechtigten Sektor nach der Anlage der BECV
  • Die eigene Emissionsintensität muss min. 10 % des sektorenabhängigen Schwellenwertes für die Emissionsintensität betragen.
  • Nachweis eines zertifizierten Energie- / Umwelt-Managementsystems nach DIN EN ISO 50001 / EMAS ab einem Gesamtenergieverbrauch fossiler Brennstoffe > 10 GWh
  • Nachweis eines Energiemanagementsystems nach ISO 50005, Stufe 3 oder Mitgliedschaft in einem bei der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke angemeldeten Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerk bei einem Gesamtenergieverbrauch fossiler Brennstoffe < 10 GWh
  • Reinvestition von 50 % (ab 2025 von 80 %) der erhaltenen Entlastung in wirtschaftlich durchführbare Energieeffizienzmaßnahmen. Die Bewertung hat hierbei ebenfalls nach ValERI zu erfolgen.
  • Als wirtschaftlich durchführbar gilt eine Maßnahme, wenn nach 60 % der Nutzungsdauer ein positiver Kapitalwert erreicht wird (ab 2026 nach 90 %).


Informationen zur Carbon-Leakage-Verordnung - BECV >

Informationen der Deutschen Emissionshandelsstelle zu Carbon-Leakage >

 

 
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